Presse und Rezension

Zu Konzerten

Konzert in Köingsbrunn am 17. Mai 2015, Bericht der Augsburger Zeitung

Klingende Wegweiser in St.Johannes

Popkantor Hans-Georg Stapff singt in  der Jazz-Nacht über Kuchen, Urlaub und die Angst vor Kriegen
Von Claudia Deeney

Wegweiser sind in der evangelischen Johanneskirche normalerweise nicht nötig. Am Sonntagabend steht im Altarraum aber genau so ein Holzpflock mit beschrifteten Tafeln, die in verschiedene Richtungen zeigen. „Im Urlaub“ konnten die Besucher da lesen, oder auch „Gott weiß was abgeht“. Der Wegweiser ist Namensgeber und wichtige Requisite für das musikalische Programm, mit dem der evangelische Popkantor Hans-Georg Stapff die „Jazz-Nacht“ im Gotteshaus gestaltete.

Sein Königsbrunner Kollege Kuno Baumann stellt ihn den knapp hundert Zuhörern als „Pop-Titan-Kantor“ der bayrisch Landeskirche vor. Die Besucher begleiten Band, Chor und Stapff durch die musikalische „Wegweiser-Tour“.

Den Schlüssel für eine Reise durch ganz verschiedene musikalische Welten hat Stapff selbstverständlich dabei. Mit dem Song „Music is the Key“ beginnt er und sein Ensemble, das Konzert um Herz und Seelen der Mitreisenden zu öffnen.

Und das gelingt Stapff vom ersten Ton an, nicht nur weil er Samba-, Rock-, Jazz-, Swing- und Pop-Rhythmen auf die Bühne bringt, sondern auch, weil er den direkten Blick- und Gesprächskontakt zum Publikum sucht. Die Texte seiner Eigenkompositionen sind dabei ebenso vielfältig wie die Vertonungen. Der Kantor präsentiert eine bunte Mischung zwischen ernsten, hintergründigen Aussagen und einfachen Worten, die gute Laune machen und zum Mitsingen und „Hüpfen“ einladen.

Der gebackene „Gugelhupf“ den Ehefrau Gisela zur Veranschaulichung auf die Bühne bringt, wird mit genauso viel Liebe und Begeisterung besungen wie Visionen die beim Träumen entstehen. Visionen von einer besseren Welt, die dem Sänger beim Anschauen der Fernsehnachrichten durch den Kopf gehen, weil er in einer Welt voller Kriege und Gewalt nicht leben möchte. „Jeder Liedermacher, auch ich, möchte mit seinen Liedern die Welt verändern, vielleicht klappt es manchmal ein bisschen, manchmal leider auch nicht“, erklärt Stapff den Gästen seine Motivation, Lieder zu schreiben und diese öffentlich vorzutragen.

Er schreibt über alles, was ihn bewegt und was er selbst erlebt hat, auch über persönliche Krisen – und trifft damit den Nerv der Zuhörer. Seine Themen sind oft Alltagssituationen und wie man diesen entfliehen kann, wie beispielsweise „Im Urlaub“. Ehe er dieses Lied zu Besten gab, fragt er sein Publikum: „Wer hat schon gebucht? Wohin geht es? Und warum fahren wir so gerne in Urlaub“? Die Antwort gibt es musikalisch: „Im Urlaub holt man sich ein Stück vom Himmel“.

„Transfusionen für gute Aussagen und echte Freude aller Musiker, die aufs Publikum überspringt“, lobt Jazz-Fan und Stadtrat Norbert Schwalber das Konzert und spricht damit vielen Anwesenden aus der Seele. So ist es auch nicht verwunderlich, dass das Ensemble mehrere Zugaben geben muss, ehe die Menschen begeistert den Heimweg antreten. Wenn Hans-Georg Stapff auch nicht, wie von ihm gewünscht, die Welt verändert hat, (nicht nur) die Königsbrunnerinnen Ute Huber und Sibylle Kümmler und alle anderen Besucher, hat er für zweieinhalb Stunden gut unterhalten und glücklich gemacht.

 


Erstes Konzert in Donauwörth am 14.3.2014, Bericht in der Donauwörther Zeitung
Notenkessel startet mit echtem Knaller
- Hans-Georg Stapff präsentiert seine CD „Entscheidungen“.

Der diesjährige und damit 18. Donauwörther Notenkessel, eine innerhalb der evangelischen Kirche einmalige Konzertreihe mit Gospel- und Popmusik, startete mit einem Konzert des Veranstalters selbst: Hans-Georg Stapff präsentierte seine in intensiver Zusammenarbeit mit Michael Zinsmeister im vergangenen Herbst fertiggestellte CD „Entscheidungen“. Eine gute Entscheidung! Denn damit traf er genau den Nerv seines Publikums. Doch er stand nicht als Solist auf der Bühne, sondern er wurde von dreizehn erstklassigen Musikern unterstützt. Und dabei gab sein Sohn den Ton an: Christian Stapff, selbst als „piano-man“ am Keyboard, hatte die Live-Arrangements für die Band geschrieben und dabei das richtige Händchen bewiesen, denn es gelang ihm, jeden einzelnen Instrumentalisten genau beim passenden Lied in Szene zu setzen. So konnten Thomas Höpfner (Schlagzeug), Bernd Steinheber (Bass), Toni Bühlmeier (E-Gitarre), Farina (Saxophon) und Eduard Mayrshofer (Posaune) sowie Elisabeth Haberl-Ernst (Cello) im Zusammenspiel als Band auf höchstem Niveau, aber auch jeder für sich glänzen.
Der sechsköpfige Chor aus Lisa Stapff, Andrea von Mackensen, Brigitte und Thomas Mundt, Monika Reicherzer und Dieter Münch blieb angenehm im Hintergrund, setzte aber doch viele kleine, sehr feine Akzente.

Vor dieser Kulisse hatte Stapff selbst leichtes Spiel: gut gelaunt und überglücklich über seinen Erfolg moderierte er sich selbst von Lied zu Lied: unglaublich sympathisch und durchweg authentisch gewährte er tiefe Einblicke in seine Gedanken über Gott und die Welt, an manchen Stellen wunderbar naiv (bei der Engelsgeschichte im Lied „Gott weiß, was in einem so abgeht“), immer sehr emotional und voll von echtem, tragfähigem Glauben und großer Zuversicht.
Ach ja, und der „Musiker, der sich nicht traut – jetzt aber auf die Pauke haut“, sang natürlich auch - und zwar so vielseitig, wie ihn sein Publikum vorher selten erlebt hatte. Der musikalische Spagat reichte vom Seelenöffner „Music is the key“ über den fröhlichen Reggae mit Karibik-Feeling „Urlaub“ und den melancholischen Blues „Ich steh auf“ bis zu den in rasantem Tempo gerappten Strophen des Liedes „Schmecket die Freundlichkeit des Herrn“ – hier musste Stapff so schnell singen, sonst hätte er niemals so viel Inhalt in nur einem einzigen Lied unterbringen können. Und da war er dann auch wieder, der altbekannte „Kantor“, der die vollbesetzte Kirche zum Mitsingen auffordert, nebenbei mal schnell einen wohlklingenden Chor formt und damit einem Grundbedürfnis dieses ganz speziellen Notenkessel-Publikums nachkommt – weil er seine Zuhörer kennt und einfach weiß, dass sie auch selbst gern singen.
Bei der anschließenden Release-Party im Gemeindehaus spielte die Band „Peilsender“ aus Wassertrüdingen: „Jetzt sind wir eine echte Notenkessel-Band!“ Die vier sympathischen „Jungs von nebenan“ überzeugten durch starke Melodien, starke Texte und starke Arrangements – und haben jetzt ein paar Fans mehr, die sich auf ihr Debutalbum freuen. (Heike Ritzka)




Zur CD


1. Bericht der Augsburger Allgemeinen.
Wegweiser zur CD
pdf-Datei zum Download.

2. Bericht bei Musica-e-vita.
http://www.musica-e-vita.de/index/meldung/id/304/


3. Rezension von Thomas Nowack.

(Zur CD Entscheidung von Hans-Georg Stapff
erschienen September 2013 im Eigenverlag.)

Es gibt Dinge, die für einen Rezensenten eigentlich tabu sind.
Die Produktion eines guten Freundes unter die Lupe zu nehmen
wäre so ein Fall. Der geneigte Leser würde Parteilichkeit
unterstellen, der Rezensierte – Freundschaft hin oder her –
könnte sich auf die Füße getreten fühlen. Warum bricht der
Autor also dieses Tabu? Vielleicht liegt es daran, dass Hans-Georg
Stapff gleich mit seinem Titellied selber Neuland betritt. Da
traut sich einer, lange selbst auferlegte Grenzen zu übertreten
und mutig zu sagen „hallo, hier bin ich – viel zu lange habe ich
mein Licht unter den Scheffel gestellt“. Vielleicht, weil die
Lebenserfahrung, die in diesen Liedern beschrieben wird,
häufig der Lebenserfahrung des Rezensenten entspricht? Und
diese auch noch musikalisch ansprechend verpackt sind. Dafür
hat vor allem Michael Zinsmeister gesorgt, der nicht nur, aber
vor allem mit seinen Arrangements diese „Single-CD“ – sechs
Lieder haben den Weg darauf gefunden – „anders“ produziert
hat. Da kommt der erste Titel (Der Musiker, der sich nicht traut)
ganz im Stil von Roger Cicero daher, anderswo nehmen einen
die Bluesbrothers eine Strecke mit (Verkünde die Liebe) und
„Im Urlaub“ angekommen geht’s mit lockeren Reggaeklängen
Richtung deutschem Schlager – Andy Borg und Freunde lassen
grüßen. Das traut sich nur einer, der feststellt: „Jetzt bin ich
der (Musiker), der sich traut, sing meine Lieder – und zwar laut!“
Dazu gehört auch die Entscheidung zu den nicht immer
perfekten Texten zu stehen. Aber wer einen Volxbibeltext
(Gott weiß was abgeht) als einzigen Fremdtext vertont, der
weiß, dass es vielleicht gerade das Unperfekte ist, das uns
anspricht. Das ist mutig und verdient Anerkennung angesichts
der Tatsache, dass uns immer mehr unpersönlich – perfekte
musikalische Einheitskost vorgesetzt wird. Eine kleine Produktion
also, die geeignet ist, einem ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern.
Gerade weil sie zeigt, das wir uns alle nicht verstecken müssen,
weil „Gott weiß, was abgeht“.

Thomas Nowack